Wunder Stoff/Wunder Punkt – Orte des Gedenkens Lungau (2026)
Standort
Mariapfarr, Am Weiher und Tamsweg, Friedhof, Dechantsbühel Standort:
Am Weiher 22
5571 Mariapfarr
Architektur
Mariapfarr, Am Weiher und Tamsweg, Friedhof, DechantsbühelDieses Kunstprojet ist Teil des mehrjährigen Forschungs- und Vermittlungsprogramm Orte des Gedenkens, das von der Kunstwissenschaftlerin Hildegard Fraueneder und den beiden Historikern Albert Lichtblau und Robert Obermair konzipiert und organisiert wird. Das Programm zu einer lebendigen Erinnerungskultur setzt sich mit dem Widerstand in seinen verschiedensten Formen gegen das NS-Regime im Land Salzburg auseinandersetzt.
Im fünften Jahr dieses Programms wird in den Lungauer Gemeinden Mariapfarr und Tamsweg der Geschichte der Widerständigkeit von katholischen Geistlichen nachgegangen. Im Zentrum steht die Biografie des Pfarrers von Mariapfarr Josef Schitter.
In einem geladene Wettbewerb wurde Johanna und Helmut Kandl ausgewählt, das Programm ein Jahr in den Orten mit künstlerischen Mitteln sichtbar zu machen. Sie überzeugten die Jury mit der hohen künstlerischen Qualität der grafischen Gestaltung und der konzisen Auseinandersetzung mit der Historie, die Präsenz vor Ort sowie die Bezüge zur Kirche.
Von Mai 2026 werden großflächige Wandmalereien an den Friedhofsmauern in Mariapfarr und Tamsweg Landmarks setzten.
Wandmalereien an den Friedhofsmauern in Mariapfarr und Tamsweg
Johanna und Helmut Kandl zu ihrem Entwurf:
Das Gedenken an die Priester und Ordensleute, die in der Zeit des Nationalsozialismus Repressionen und Verfolgung ausgesetzt waren ist eine große Herausforderung, aber auch eine spannende und wichtige Aufgabe. Gerade die problematische Haltung und Verbindung der katholischen Kirche zum Ständestaat erfordert genaues Hinsehen.
Als Platz für das Gedenken an die Priester, die vom NS-Regime verfolgt wurden, haben wir uns die Mauer am Weiherplatz in Mariapfarr ausgesucht, in Tamsweg die Mauer gegenüber der Kirche, ideale Plätze für Wandmalerei.
Das Motiv der zerrissenen (Priester)kleidung haben wir gewählt, weil es in der Bildtradition und in den biblischen Texten große Bedeutung hat, sowohl im Alten Testament (Hiob zerreißt sein Gewand, als ihm mitgeteilt wird, dass seine Kinder ums Leben gekommen sind (Hiob 1:18-20)) als auch im Neuen Testament bis zur Karfreitagsliturgie: „Da riss der Vorhang des Tempels von oben bis unten entzwei“.
Vom zerfetzten Gewand des Johannes des Täufers über die Bettlerfiguren aus Elfenbein der Renaissance bis zur Moderne wie bei Lucio Fontana und zur Mode der torn/ripped Jeans ist zerrissene Kleidung ein Motiv.
Im Text des Entwurfs schrieben wir: „Ideal wäre es, Kaseln zu finden, die es vor Ort gibt bzw. vielleicht sogar in der Geschichte des Orts eine Rolle spielen, vielleicht sogar mit den im Projekt erwähnten Priestern in Verbindung stehen“. Diesen Teil des Projekts konnten wir sehr gut verwirklichen: Familie Prodinger vom Suppangut gab uns Zugang zu Kaseln aus verschiedenen Epochen – wunderbare Stoffe: Blumenmuster, Ornamente, starke Farben, Stickereien.
Es war berührend, wie wichtig in Leonhard Steinwenders Publikation die liturgischen Kleider sind. Zitat: Bei den religiösen Zusammenkünften gab uns weder Stola noch Meßgewand ein Zeichen gottesdienstlicher Würde und Aufgabe.
Wir haben hier Details aus 2 Kaseln gewählt, deren Ornamente an den Wänden zu sehen sein werden.
Die Daten der Verfolgten – Fotos, wenige biografische Daten und Zitate von ihnen – sind im Gegensatz zur großflächigen Malerei kleinteilig, man muss also hingehen um die Details zu erkennen – vielleicht auch ein Symbol dafür, dass es oft nötig ist, genau hinzusehen.
Mitarbeit: Stefanie Kaegi, Domenico Mühle, Beate Schachinger, Stefan Wirnsperger
Johanna und Helmut Kandl wurden bei der Ausarbeitung des Entwurfs freundlich unterstütz von der Familie Prodinger, Arno Pichler, Mag. Dr. Klaus Heitzmann, und dem Projektteam Orte des Gedenkens.
Eröffnung Samstag 8. Mai 2026
17:00 Uhr – Mariapfarr
Joseph-Mohr-Saal
Joseph-Mohr-Platz 1, Mariapfarr
19:00 Uhr – Tamsweg
Schloss Kuenburg, Kuenburgsaal
Kirchengasse 8, Tamsweg
Eintritt frei!
Mehr Informationen zur Veranstaltungsprogramm unter diesem Link
Veranstaltung
DAs Forschungs- und Vermittlungsprogramm Orte des Gedenkens
Zur Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus realisiert das Land Salzburg in jedem politischen Bezirk über sechs Jahre hinweg einen temporären Gedenkort. Das Konzept der Arbeitsgemeinschaft Orte des Gedenkens mit der Kunsthistorikerin Hildegard Fraueneder und den Historikern Albert Lichtblau und Robert Obermair, basiert auf drei Säulen: historischer Aufarbeitung, künstlerischer Intervention und Vermittlungsarbeit. Zum Bildungsprogramm gehören öffentliche Veranstaltungen sowie Workshops an Schulen, Bildungsstätten und mit NGOs oder Kulturinitiativen – in Kooperation mit ERINNERN.AT. Im Zentrum stehen dabei Biografien, die Einblicke in autoritäre Systeme, Widerstand und Zivilcourage geben und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.
Im Lungau wird das Projekt in Kooperation mit den Gemeinden Mariapfarr und Tamsweg, der Pfarre Mariapfarr und der Lungauer Kulturvereinigung realisiert. Die Kunstprojekte entstehen in Zusammenarbeit mit dem „Fonds zur Förderung von Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum“ des Landes Salzburg.
Mehr Informationen zum Forschungs- und Vermittlungsprojekt unter diesem Link
Orte des Gedenkens
Technik
- Mariapfarr - Wandmalerei, Breite 25,00 m x Höhe 3,00 m
- Tamsweg Wandmalerei, Breite 10,00 m x Höhe 5,00 m