Cäcilia Brown, Jan Hostettler, Anna Paul, Theo Deutinger
ÜbernTauern (2026)
Kunst und Meilensteine am Radstädter TauernStandort
Ausgehend von Schaulagern in Tweng und Obertauern und dem Gemeindeamt Untertauern werden drei Wanderrouten angeboten, die zu den Kunstwerken und zu anderen historischen und neuzeitlichen Artefakte führen. Standort:
Tauernstraße 52b
5563 Tweng
Architektur
Zwei Schaulager werden als Minimuseen vor dem Gemeindeamt Tweng und vor der neuen Tiefgarage in Obertauern errichtet. Architekt und Kurator Theo Deutinger hat dazu ein ebenso klares wie flexibles Ausstellungsdisplay entwickelt.Vor dem Gemeindeamt in Tweng, direkt neben der Tauernstraße, steht ein markantes Gebäude, das tagsüber seine großen Tore öffnet und Einblicke in die Geschichte(n) anbietet. Im gleichen Design findet sich in Obertauern, im Zugangsbereich der Parkgarage des Gamsleitenlifts ein dauerhaft offenes und geschütztes Schaulager.
Gezeigt werden die historischen Meilensteine, ergänzende Informationen und Routenvorschläge, um die historischen und neuzeitlichen Spuren in der Landschaft zu besuchen. Übersichtlich gestaltetet Faltpläne liegen zu Mitnahme auf und über QR-Codes kann das erweiterte Angebot auch digital genutzt werden.
Mit dem öffentlichen Postbus (Linie 280) oder dem Lungau Shuttle sind alle drei Standorte bequem erreichen.
Künstler_in
Cäcilia Brown
Jan Hostettler
Anna Paul
Theo Deutinger
Das Projekt ÜbernTauern thematisiert die Überquerung der Alpen über den Radstädter Tauern. Entlang der historischen Straße über den Radstädter Tauern, die noch heute in Teilstrecken erkennbar ist oder als Wander- oder Forstweg weiter benutzt wird, wurden 14 römische Meilensteine (in Schaulagern) und weitere Artefakte aus unterschiedlichen historischen Epochen als „Sichtfenster“ in die Vergangenheit zugänglich gemacht. Diese Zeitzeugen vermitteln in Verbindung mit modernen Straßenbauelementen, Naturdenkmälern und sieben neu geschaffenen künstlerischen Interventionen die Geschichte der Alpenüberquerung und eröffnen neue Perspektiven in die Vergangenheit, auf die Gegenwart und in die Zukunft. Die noch vorhandenen Trassenstücke der historischen Straße wurden wissenschaftlich erfasst und dokumentiert.
Eine übersichtliche Faltkarte schlägt 3 Wanderrouten vor, entlang derer die Geschichte erlebbar gemacht wird. Interaktive digitale Karten und Audiowalks sind ab rufbar.
Das Projekt wurde in Kooperation mit den Gemeinden Tweng und Untertauern, dem Landes-Archäologen Dr. Raimund Kastler/Salzburg Museum, der Landesstraßenverwaltung entwickelt und realisiert und mit Unterstützung der Straßenmeisterei Mauterndorf umgesetzt.
Kuratierung und Architektur: Theo Deutinger/The Department (TD)
Künstlerische Arbeiten
Sechs Kunstschaffende wurden im Rahmen eines Wettbewerbs eingeladen, der Geschichte und den Herausforderung der Tauernüberquerung mit zeitgenössischen künstlerischen Mitteln nachzugehen. Gesucht wurden Entwürfe die einen Bezug zum Thema der Alpenüberquerung aufbauen, sich auf die Historie beziehen, auf die Gegenwart oder auch die Zukunft der Alpenüberquerung.
Die Künstlerin Cäcilia Brown, der Künstler Jan Hostettler und die Künstlerin Anna Paul wurden von der Jury ausgewählt und vom Fonds mit der Umsetzung ihrer Konzepte beauftragt:
QUASI MILARIUM MMXXVI – von Anna Paul
Als wäre es ein Meilenstein – vom nahegelegenen historischen Marmorbruch am Schaidberg wurde ein Stein neben den Wanderweg in Obertauern gesetzt. An einer Seite poliert und mit einer lateinischen Inschrift versehen, lädt er als Sitzbank mit Blick auf die historische Römerstraße und ihre moderne Nachfolgerin zum Rasten ein.
Details zum Projekt
weilen – von Jan Hostettler
An der Wanderroute in Tweng laden an drei Orten liegende Steinsäulen zum Verweilen ein. Es handelt sich um massive Bohrkerne vom historischen Steinbruch Schaidberg, dem Ort, an dem im ersten bis vierten Jahrhundert Steine zur Herstellung der römischen Meilensteine gebrochen wurden.
Details zum Projekt
Schlammiger Drache – von Cäcilia Brown
Entlang der Wanderroute Tweng in das Lanschfeld sind drei Emailleschilder zu sehen. Wie Verkehrsschilder – die gegenwärtige Version der Meilensteine – dienen auch sie der Orientierung, geben Warnhinweise oder fordern zum Schutz bestimmter Arten auf.
Details zum Projekt
Wanderrouten
Von den Schaulagern gehen Wanderrouten zur historischen Tauernüberquerung aus. Die Routen folgen, soweit möglich, erhaltenen Resten der historischen, römischen bis frühneuzeitlichen Straßentrassen über den Radstädter Tauern. Da die historische Wegführung in einigen Bereichen mit der modernen B 99 Katschberg Landesstraße deckungsgleich ist, kann der historische Weg nicht durchgehend abgegangen werden. Stattdessen wurden entlang der historischen Trasse drei Routen zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen entwickelt. Die Routen mit den dazugehörigen Audiowalks können in beliebiger Reihenfolge unabhängig voneinander abgegangen werden. Verbindungen zwischen den einzelnen Routen bietet die Regionalbuslinie 280.
Diese drei Wanderrouten wurden umfassend aufbereitet. In einem Faltplan sind die Routen mit allen interessanten Stationen dargestellt und beschrieben.
Alle Informationen und die Audiowalks sind auch über eine digitale Interaktive Karte abrufbar.
Die Karte wurde erstellt von SAGIS – Salzburger Geografisches Informationssystem
Zur digitalen Karte
Route Untertauern – Technik der Alpenüberquerung
Ausgangspunkt der “Route Untertauern – Technik” welche die technischen Schwierigkeiten und technischen Lösungen der Alpenüberquerung beschreibt. Die Route führt vom Schaulager in Untertauern über die Gnadenalm zum Johannesfall. Die Route wird begleitet von einem Audio-Walk in drei Teilen zum Thema.
Details zur Route – Untertauern
Route Obertauern – Versorgung der Alpenüberquerung
Ausgangspunkt der “Route Obertauern – Versorgung” die von den Herausforderungen der Übernachtung und Verpflegung von Reisenden und der Beschaffung von Rohstoffen erzählt. Die Route führt vom Schaulager in Obertauern zum Tauernfriedhof und nach Schaidberg. Die Route wird begleitet von einem Audio-Walk in drei Teilen zum Thema.
Details zur Route – Obertauern
Route Tweng – Risiko der Alpenüberquerung
Ausgangspunkt der “Route Tweng – Risiko” die von den Risiken der Überquerung von Gebirge erzählt. Die Route führt vom Schaulager in Tweng zum Feuerwehrhaus und weiter zum Tennfall. Die Route wird begleitet von einem Audio-Walk in drei Teilen zum Thema.
Details zur Route – Tweng
Römische Meilensteine an der Römerstraße
Die Route über den Radstädter Tauern stellt die kürzeste Verbindung zwischen dem Voralpenland und der oberen Adria dar. Als Verkehrsachse blieb die Tauernstraße bis zur Fertigstellung der Tauernbahn (1909) und der Errichtung der Tauernautobahn (1958—1980) die wichtigste Nord-Süd-Verbindung in den Ostalpen. Den Verlauf für diese Hochgebirgsstraße gaben die Täler der Pongauer und Lungauer Taurach vor.
Der römische Ausbau der vermutlich bereits in prähistorischer Zeit begangenen Route über den Radstädter Tauern zu einer der Haupt-Reichsstraßen erfolgte unter Kaiser Claudius (41 bis 54 n. Chr.). Am Tauernpass wurde in dieser Zeit eine „in Alpe“ genannte Raststation errichtet. Die römische Straße bestand aus einem rund 2,5 Meter breiten Damm mit einem Entwässerungsgraben. Serpentinen dienten der Einhaltung einer kontinuierlichen Steigung. Entlang der Straße waren bis zu 2 Meter hohe Meilensteine aufgestellt. Sie waren Distanzanzeiger (1 römische Meile entspricht rund 1,5 Kilometer) und auch Mittel politischer Selbstdarstellung der römischen Kaiser.
Die Straßentrasse wurde in nachrömischer Zeit weiter genutzt. Für das Mittelalter ist eine kirchliche Herberge am Tauernpass (heute Tauernfriedhof) belegt. Damals wurden auch zum ersten Mal militärische Befestigungen zur Kontrolle der Straße angelegt. Im 16. Jahrhundert wurde die alte Straße neuerlich für den Wagenverkehr ausgebaut. Spurrillen zeugen noch heute davon. Es entstanden die Tauernhäuser Wisenegg und Schaidberg.
Die Entwicklung des Ingenieurwesens und der Straßenbautechnik ermöglichte nach 1749 eine Neuanlage der Tauernstraße ohne Serpentinen. Durch die geänderte Wegführung blieben große Teile der alten Straße bis heute erhalten. Die neue Trassenführung ist der Vorläufer der heutigen Straße, die in den 1960er Jahren durch Errichtung der Lawinengalerien abgesichert wurde. Entlang der Katschbergstraße wurden im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts 14 römische Meilensteine gefunden, bis zu 2,00 m Meter hohe Säulen aus Marmor. Sie markierten entlang der Straßen die Wegdistanzen in römischen Meilen (1 Meile = 1,487 km), gemessen jeweils ausgehend von den Städten, von denen man aufbrach. Diese Meilensteine dienten nicht nur der Orientierung, sondern waren auch wesentliche Elemente der staatlichen Selbstdarstellung.
Die Meilensteine wurden im Umfeld ihrer Auffindungssorte entlang der modernen Straßentrasse wieder aufgestellt, wobei heute keiner mehr an seinem ursprünglichen antiken Standort steht. Sieben der Meilensteine stehen unter Denkmalschutz. 2021 wurde eine Zustandserhebung durchgeführt, und die Steine anschließend grundlegend saniert. Ihr Zustand hat sich derartig verschlechtert, dass auch nach Ansicht des Bundesdenkmalamtes eine ungeschützte Wiederaufstellung im Freien mittelfristig zum Verlust dieser Denkmale führen würde.
Die historischen Meilensteine wurden fachkundig restauriert und werden nun in Schaulagern wettergeschützt präsentiert. Die Grenze zwischen Untertauern im Pongau und Tweng im Lungau stellte bereits in der Antike die Grenze zwischen den Römerstädten Iuvavum (Salzburg) bzw. Teurnia (St. Peter im Holz, Kärnten) dar. Entsprechend der historischen Fundstellen werden die Meilensteine in den ursprünglichen Bezirken aufgestellt – 4 Steine im Zentrum der Gemeinde Tweng, 6 Steine in Obertauern, im Gemeindegebiet Tweng, im Lungau und 4 Steine sollen künftig auch in Untertauern gezeigt werden.
EINLADUNG: Präsentation des Projekts ÜbernTauern, Eröffnung des Schaulagers Tweng: 16. Oktober 2026, 13:00 Uhr.